Die Bischofsstadt Oberhomburg

Die Geschichte von Oberhomburg ist eng mit der von St. Avold verbunden. Seit dem Mittelalter bis zum Ende des XVI. Jhs, bildeten beide Städte, mit circa 30 Dörfer und Weiler, die Vogtei Hombourg-St. Nabor.

Wenn auch St. Avold der blühende Handelsmittelpunkt der bischöflichen Herrschaft blieb, wurde dennoch Hombourg mit seinen zwei aufeinanderfolgenden Burgen, von den Bischöfen von Metz zum Hauptort der Vogteiherrschaft erhoben. Die Burg war der Sitz der Verwaltung und der Gerichtsbarkeit aber auch das Symbol der Macht der Bischöfe über ihre östlichen Territorien.

Die Erstehung der ersten Burg im XII. Jh


Sie wurde von dem Grafen von Metz Folmar, der sich nun Graf von Homburg nannte, erbaut. Diese erste Festungsanlage wurde auf einen kleinen Bergsporn im Rosseltal errichtet. An seinem stumpfen Ende ist der Graben, der die Burg von dem Plateau trennt, noch gut erhalten. Die Anlage bestand aus zwei Terrassen, die wahrscheinlich von einem Bergfried beschützt waren. Die Burg überragte die Straβe, die von Metz über Saarbrücken nach Mainz führte.

Am Fuβ dieser Burg entwickelte sich ein Dorf, das den Namen der „Homburg“ (d.h. hohe Burg) übernahm, der heutige Ortsteil Niederhomburg.

1152 verstarb Hugo, der letzte Graf von Homburg, ohne männlichen Erben. Alsbald versuchte der Herzog Mathieu 1. von Lothringen sich der Burg zu bemächtigen. Aber Bischof Stephan von Bar konnte mit Hilfe von Friederich Barbarossa den Herzog zurückschlagen. Der Besitz der Burg war den Bischöfen unentbehrlich, weil er die Kontrolle über die Geleitstraβe, eine der wichtigsten Handelstraβen, bedeutete.


Ein prachtvolles Schloss und eine neue Stadt


Im XIII. Jh wurde die veralterte Burg verkauft, als der Bischof Jacobus von Lothringen sich entschloss eine neue Festung auf dem gegenüberliegenden Hügel zu erheben. Eine Chronik bezeugt diese Gründung folgend: “ Er lieβ neben der alten Burg, auf einem unbesiedelten Hügel, eine neue Burg errichten, die man auch Homburg nennt. Er baute von Grund auf das Schloss Homburg so edel und prächtig, dass man es „Spiegel der Schönheit“ nannte... und gab dafür zuviel Geld aus.

Bewusst wurde die länglich gezogene Anhöhe mit sehr steilen Abhängen zur Verteidigung auserwählt, um jeden Feind leicht in Schach zu halten. Vom Höhepunkt des Plateaus konnte man die ganze Gegend beobachten, so dass ein Metzer Chronist aus dieser Zeit den Ort als „
Wachposten der Welt“ bezeichnete. Mehr als eine einfache Burg dehnte sich diese trotzige Festung über fast 4 Hektar aus.

Sie wurde abermals zum Sitz der Verwaltung der Vogtei erhoben. Die Amtmänner der Bischöfe weilten hier, und gelegentlich die Prälaten selbst, umgeben von Rittern die bei der Hut auf der Burg ihre Lehnspflicht erfüllten. Der Graf von Saarbrücken war stets der Vogt (Lehensmann) der Bischöfe über diese Herrschaft. Deswegen saβen auch die Amtmänner der Grafen in eigenen Wohnungen auf der sogenannten „Ritterburg“, am Nord-Ost Ende des Hügels, die man als eine Art „Burg in der Burg“ bezeichnen kann. Dort diente von ca. 1250 bis 1280 der Ritter Simon von Homburg und bis ins späte XV. Jh seine Nachkommen. Dieser lieβ sich eine der heiligen Katharina geweihten Hauskapelle um 1250-1270 neben seinen Gemächern errichten. Das charmante gotische Gebetshaus ist heute das einzige Überbleibsel der Ritterburg und der älteste Sakralbau in der Umgegend.



Die Stiftskirche St. Stephanus (XIII-XIV. Jh)


Der Chor (Ende des XIII. Jh)


Vor der gewaltigen Festung lieβ der baulustige Bischof Jacobus eine befestigte Stadt errichten. Eine etwa 650 Meter lange Ringmauer, mit einigen Türmen und drei Pforten ausgestattet, umgab den Ort. Mitten in der Stadt wurde eine Halle mit Turm errichtet. Die gesamte Anlage diente als Zufluchtsort für die ganze Einwohnerschaft der Vogtei.

Jacobus befreite gleich seine neue Stadt und verlieh ihr ein eigenes Stadtrecht und einen 300 Hektar groβen Wald. Sein Nachfolger Philip von Flörchingen bestätigte 1262 diese Privilegien und Rechte.

Der Gründer der Stadt lieβ auch 1254 ein Stift von 13 Kapitelherren anlegen. Dieses wird bis 1743 bestehen. Die Domherren haben den Bau der Sankt Stephanus-Stiftskirche um 1290 begonnen, die erst gegen 1400 fertig gestellt wurde. Sie gilt heute als das Wahrzeichen der Stadt.

Im Laufe des XIII. und des XIV. Jhs war die Stadt öfters ein Streitobjekt. In den folgenden Jahrhunderten wurde sie aber kaum bedroht, noch weniger bekriegt, wenn auch mehrmals an verschiedene Territorialherren verpfändet und verkauft.



Die Katharinenkapelle (Um 1250-1270)


Die Neuzeit und der Niedergang von Homburg

1572 veräuβerte der Bischof Ludwig von Guise die Herrschaft seinem Neffen Heinrich von Guise. Aber 1581 verkaufte letzterer die Vogtei an den Herzog von Lothringen, Karl den III. Nun war die Burg die offizielle Residenz der lothringischen Gouverneure des Bellistums Homburg-St.Nabor.

1621 bekam schließlich Henriette von Lothringen-Vaudémont, die Schwester des Herzogs Karl des IV., das Gebiet als Heiratsgeschenk. Die Herrschaft konnte aber dem Dreiβigjährigen Krieg nicht entweichen. Von Armeen und Banden aus aller Herren Länder durchquert und verwüstet, verlor Homburg durch Morden, Seuchen, Hungersnot und Auswanderung, 70% seiner Einwohner. Die Ortsteile Niederhomburg und Helleringen wurden total zerstört und blieben 30 Jahre lang leblos. 1634 befahl Ludwig der XIII. von Frankreich die Festung zu schleifen.

Nach dem Westfälischen Frieden mussten etliche Burglehen an Frankreich übergeben werden, sowie Helleringen, Altwiller, Barst oder Bettingen.

Die Verwaltungsrechte der Stadt gingen allmählich nach St. Avold, Sitz einer neuen Probstei, über. Die mittelalterliche Ringmauer brach an vielen Orten zusammen; die alte Stadt Homburg zerfiel zu einem ländlichen und bedeutungslosen Marktflecken.

Das Kapitel wurde 1743 aufgehoben; jedoch, durch Erlass des Herzogs Stanislaus, lieβen sich 1749 deutsche Franziskaner- Rekollekten hier nieder und bauten 1769 ihr Kloster.


Der industrielle Aufschwung

Die Mitte des 18. Jhs wurde zum bedeutungsvollen Wendepunkt in der bisher ländlich geprägten Gegend. Der Herzog Stanislaus bewilligte Charles de Wendel, im Jahr 1758, die Niederlassung einer Eisenhütte auf der Rossel , an der Stelle wo früher etliche Mühlen standen. 1808 übergab de Wendels Witwe, Anne-Marguerite d’Hausen de Weidesheim, die Eisenhütte ihrem Neffen Ignace-Charles de Wendel. Diese Familie, aus der zwei bedeutende Bürgermeister herauswuchsen, betrieb das Werk bis 1850, als sie die Anlage dem saarländischen Hüttenmeister Gouvy verkaufte. Alexander Gouvy verwandelte die alte Eisenhütte in ein modernes Stahlwerk. Für Generationen von Homburgern war Gouvy der einzige Arbeitgeber, der die Kultur, den Sport oder die Musik durch zahlreiche Verbände und Vereine förderte und prägte.

Leider haben die Gouvys Homburg 1936 für Dieulouard verlassen, wo sie ein modernes Werk betrieben. Das Gouvysche Erbe wurde von der Familie Münch übernommen; fast 250 Angestellte fanden im Werk Arbeit, bis es 1980, wegen der schlechten Konjunktur, endgültig aufgegeben wurde.

Aber im XX. Jh, mit der Bewirtschaftung der Steinkohle, wuchs das Städtchen, das 1801 nur 1500 Einwohner besaβ, auf stattliche 10 571 Seelen im Jahr 1968. Wie Pilze schossen Arbeitersiedlungen aus dem Boden.

Heute ist diese Einwohnerzahl aber auf etwa 8 100 geschrumpft. Der Bergbau wurde vor kurzem eingestellt, Homburg muss sich nun als ein angenehmer Wohnort behaupten, mit einer wertvollen Lebensqualität, im Rahmen einer gut erhaltenen Natur.


Vincent Vion